Warum Spielen so wichtig für Ihre Kinder ist!


Trampelpfade im Gehirn
Je mehr Erfahrungen ein kleines Kind macht, desto mehr und deutlichere Spuren bilden sich in dessen Gehirn. Diese Lern-Spuren sind es, die uns langfristig zu dem Individuum machen, das wir sind, mit unserer Sprache, unseren Gewohnheiten, Fähigkeiten, Vorlieben, Einstellungen und Kenntnissen: Wenn die Sonne scheint, wird es warm, Honig ist süß und Brennnesseln tun weh. All dies muss ein Kind lernen, und dies tut es durch Auseinandersetzung mit der Welt, die jedes Kleinkind nicht nur passiv erlebt, sondern aktiv sucht. Kinder brauchen die Gelegenheit, Erfahrungen selbst zu machen, Dinge auseinander zu nehmen und wieder zusammen zu setzen, sich auszutoben. Das erfolgt im Spiel mit Gleichaltrigen, in der Familie und manchmal auch zurückgezogen und konzentriert allein.
Im Spiel lernen Kinder sowohl, sich an Regeln zu halten als auch sie gemeinsam mit den Mitspielern zu verändern. Sie üben, sich zu konzentrieren und mit aller Kraft auf ein Ziel hinzuarbeiten. Sie lernen zu gewinnen und zu verlieren, Freude zu erleben, ohne den anderen auszugrenzen und Ärger oder Misserfolg auszuhalten, ohne aggressiv zu werden. Im Spiel mit ihren Freunden und in der Familie erleben sie sich als Teil einer sozialen Gemeinschaft und lernen, sich nach Spiel- bzw. sozialen Regeln zu verhalten. Sie entwickeln Verantwortung und Solidarität, Rücksichtnahme und Fairness. Und ganz nebenbei schulen Kinder ihre Sinne, trainieren Muskeln, Bewegungsabläufe und Geschicklichkeit.
Das alles und noch viel mehr lernen sie beim Spielen: angstfrei, in positiver Atmosphäre, in einem Klima von Zuwendung und Vertrauen – eben spielerisch. Kinder unterscheiden dabei nicht zwischen Spielen und Lernen, sie lernen spielend.

Liebe Eltern, spielen Sie mit Ihren Kindern!
Kinder lernen am Vorbild. Das gilt auch für das Spielen. „Das Leben der Eltern ist das
Buch, in dem Kinder lesen“, sagte schon der Kirchenvater und Philosoph Augustinus
vor mehr als tausend Jahren. Wenn ein Kind erlebt, wie schön das gemeinsame
Spielen mit Mutter und Vater ist wird es die Regel abspeichern: „Spielen
macht Spaß. Dabei fühle ich mich beschützt und wohl.“ Wenn es erlebt, wie sich
auch die Eltern an Spielregeln halten, wie sie mit Ärger und Erfolg umgehen, wie
sie sich für den Sieg einsetzen, aber auch gemeinsam mit ihrem Kind an einer
schwierigen Aufgabe (wie dem Zusammensetzen eines Puzzles) arbeiten,
erlebt es ein gemeinsames Handeln in sinn- und lustvollen Kontexten.
Beim gemein samen Spielen beschäftigen sich Kinder und Eltern mit
denselben Sachen, sprechen und lachen miteinander und fühlen
sich miteinander wohl. Eltern können im gemeinsamen Spiel die
Stärken und Talente ihres Kindes erkennen. Sie erleben seine
Persönlichkeit in unterschiedlichen Situationen und können es
noch besser in seiner Entwicklung begleiten.

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer
Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Ulm

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