Mobbing  -  Cybermobbing   -   Was tun?

Von Mobbing spricht man, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum von einer oder mehreren anderen Personen gezielt schikaniert wird. Damit ist nicht gemeint, wer ein- oder zweimal geärgert oder geschubst wird. Von Mobbing spricht man erst dann, wenn gezielt, systematisch über einen längeren Zeitraum und regelmäßig gegen eine Person vorgegangen wird.

Mobbing kann sehr unterschiedlich aussehen und hat immer heftige Auswirkungen auf das Mobbingopfer. Das Opfer wird z.B. ausgegrenzt, lächerlich gemacht, es werden Lügen verbreitet, manchmal werden Dinge wie Schulsachen und Sportzeug versteckt oder zerstört, körperliche Gewalt wie anrempeln, Beinchen stellen, prügeln können dazugehören. Das Ziel der Mobber ist es, das Opfer auszugrenzen, alle sozialen Kontakte zum Opfer zu kappen, letztlich mit dem Ziel, das Opfer komplett auszuschließen.

Mobbing ist für das Opfer deshalb so schlimm, da es jeden Tag Angst vor neuen Angriffen hat und ständig unter Stress steht. Das führt dann häufig zu körperlichen und seelischen Beschwerden wie: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Das Selbstvertrauen geht zunehmend verloren; Mobbingopfer können in der Folge sogar depressiv werden.

Zu diesen negativen Erscheinungen kommen beim Cybermobbing weitere negative Aspekte hinzu. Von Cybermobbing spricht man, wenn das Mobbing nicht nur auf dem Schulhof oder im Klassenraum stattfindet, sondern im „virtuellen“ Lebensraum. Damit sind die Zeiten und Räume gemeint, die wir mit anderen Menschen in Medien erleben. Beim Cybermobbing kommen zum Einsatz: Handys, Internet, E-mail-Programme, Messengerprogramme. Genau wie beim Mobbing allgemein geht es beim Cybermobbing darum, jemanden fertig zu machen und bloßzustellen.

Wie sieht dieses Cybermobbing konkret aus?

Es wird in Chats (in virtuellen Kommunikationsräumen) gepöbelt oder Geheimnisse werden  ausgeplaudert. Es werden Gerüchte und Lügen verbreitet. Peinliche Fotos oder Videos werden in Umlauf gebracht. Beleidigungen und Verunglimpfungen werden in die Welt gesetzt. In Sozialen Netzwerken werden Hassgruppen gegründet. Der Mobber nimmt in der Virtuellen Welt die Identität des Opfers an und versucht dann andere zu täuschen oder zu verletzen.

Ein wesentlicher Unterschied zum „normalen“ Mobbing ist, dass beim Cybermobbing der Täter anonym ist. Jeder aus dem Bekanntenkreis des Opfers oder aus der Schule kann diese fiese SMS geschickt oder das peinliche Video hochgeladen haben. Cybermobber verstecken sich oft in der realen Welt und schlagen in der virtuellen Welt zu.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum Mobbing liegt darin begründet, dass andere Leute viel schneller Mittäter werden können. Dass passiert dadurch, dass z.B. das hochgeladene Video angeschaut wird und dann ein eigener Kommentar geschrieben wird oder das Video „geliked“ oder weiterverbreitet wird. Das geht oft schon mit einem Klick und so wird aus dem Zuschauer sehr schnell ein Unterstützer des Mobbers.

Cybermobbing ist auch deshalb so schlimm für die Opfer, da man ihm nicht oder kaum aus dem Weg gehen kann. Durch die Anonymität des Täters wird das Opfer zunehmend unsicher und misstrauisch gegen seine gesamte soziale Umwelt. Die Opfer ziehen sich immer mehr zurück, bleiben zunehmend allein und werden im schlimmsten Fall seelisch krank.

Hinzu kommt, dass das „Internet nichts vergisst“. Beim normalen Mobbing in der Schule hat das Opfer zumindest z.B. in den Ferien eine Mobbing-Pause. Bilder, Videos und beleidigende Kommentare beim Cybermobbing tauchen unvermittelt, ohne Pause, evt. auch  noch Jahre später auf und wirken wieder wie neu.

Kinder und Jugendliche, die über das Internet gemobbt werden, haben häufig große Hemmungen, sich ihren Eltern anzuvertrauen. Erwachsene verstehen häufig auch nicht, was da eigentlich vor sich geht. Sie kennen und nutzen diese Medien deutlich weniger als ihre Kinder. Es besteht die Gefahr für ein gemobbtes Kind, dass, wenn es sich seinen Eltern anvertraut, diese sogar dieses Medium für das Kind generell verbieten würden. Hinzu kommt, dass häufig äußerst peinliche Situationen auf Bild und Video Inhalt des Mobbings sind und die Kinder sich schämen, dies anderen anzuvertrauen.

Aber genau dies wäre dringend notwendig. Das Opfer von Cybermobbing braucht nichts dringender als wohlwollende Unterstützung  -  moralische und ganz praktische.

Wie schon gesehen leidet bei einem Cybermobbing-Vorfall, der ja schon längere Zeit andauert, ganz massiv das Selbstbewusstsein, das Vertrauen gegenüber anderen  -  kurz gesagt: das Opfer ist in einem sehr niedrigen Energiezustand und leidet. Hier braucht es Hilfe und Unterstützung in Form von Gesprächen, zuhören, vertrauen und ernst nehmen.

Ganz praktisch kann man gegen Cybermobbing-Vorfälle vorgehen: wenn z.B. ein peinliches Video veröffentlicht wurde (im Internet oder auch „nur“ per Bluetooth weitergegeben auf verschiedenen Handys), dann kann man versuchen, rauszubekommen, wer der Verursacher ist und darauf drängen, dass dieser dieses Video herausnimmt. Gleichzeitig kann man den Anbieter der Video-Plattform informieren und verlangen, dass das Video gelöscht wird. Hierzu benötigt ein Mobbingopfer aber in der Regel konkrete Hilfe und Unterstützung von Erwachsenen.

Zusammenfassend kann man feststellen: Wenn jemand im Netz oder in anderen Medien gewalttätig angegriffen wird, sollte er/sie sich sofort bei Freunden, Eltern, Lehrern oder Vertrauenspersonen melden und sich Hilfe holen. Es geht darum, den Rücken gestärkt zu bekommen, gute Ideen zu einer möglichen Reaktion zu entwickeln und diese dann auch umzusetzen.

Für Eltern bedeutet dies: auf Signale ihrer Kinder achten, hellhörig werden, wenn das Kind sich über eine längere Zeit anders, zurückgezogener verhält; grundsätzlich einen guten Kontakt zum Kind pflegen und versichern, dass jederzeit mit jedem Thema mit ihm gesprochen werden kann.

Gute Informationen und Anregungen zum Umgang mit Cybermobbing bei den eigenen Kindern finden Eltern auf folgenden Internetseiten:

www.mobbing-schluss-damit.de

http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/

Telefonische Hilfen werden angeboten: Die Nummer gegen Kummer:

Für Kinder: 0800 111 0333 (Sprechzeiten Montags bis Samstags 14.00 – 20.00 Uhr)

Für Eltern: 0800 111 0550 (Mo.-Fr. 9.00 – 11.00 Uhr, Di. und Do.: 17.00 – 19.00 Uhr)

Die Anrufe dorthin sind kostenfrei. Der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung und man kann anonym bleiben.

 

 

Prüm, 19.06.13    Jo Bach, Fachstelle Spielsucht beim Caritasverband Westeifel e.V.

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